Print wirkt (immer)


IMG_8789 IMG_8806In der Ausstellung „Anschlag Berlin“, die Fons Hickmann zusammen mit Sven Lindhorst-Emme kuratiere, werden Plakate von rund 35 Berliner Kunstlern und Designstudios präsentiert .
Ein Spektrum der letzten fünf Jahre,  Meilensteine der zeitgenössischen Ästhetik. Die mehr als 100 Arbeiten in der Schau sind extrem unterschiedlich – illustrative, typografische, monochrome Plakate. Manche sind Unikate, die hängen nur im Atelier oder in Ausstellungen.
Beim Betrachten der Auswahl wird schnell klar: Einen einheitlichen Berliner Stil gibt es nicht, das Typische ist die Diversität. Allen Gestaltern gemeinsam ist ihre Haltung dem Medium gegenüber. Dass sie es nicht werblich verstehen, sondern mit ihrer Arbeit eine künstlerische oder politische Position einnehmen. Der Gestalter übernimmt Autorschaft, entwickelt eine individuelle künstlerische Sprache, mit Farbe, mit Schrift, mit Linien.
IMG_8785 IMG_8784Die Schweizer würden vielleicht widersprechen, wenn ich das jetzt sage, aber: Berlin ist zur Zeit die Hauptstadt der Plakatkunst. Okay, die Japaner sind auch unglaublich gut, doch hier entsteht gerade etwas, das Strahlkraft hat. Es gibt Ausstellungen zu Berliner Plakaten in Frankreich, in Moskau. Wir werden international als Design-Metropole wahrgenommen, stärker, als wir es selbst tun.
Berlin hat eine lange Tradition in dem Bereich. Spannend ist die Entwicklung vom illustrativen Plakat zum Sachplakat. Anfang des 20. Jahrhunderts haben Plakatkünstler prächtig und überbordend gearbeitet – jeder kennt die Boheme-Motive von Toulouse-Lautrec. Ab den 1910er Jahren begannen Berliner Gestalter, das Plakat anders aufzufassen.
Sie ließen alles Ornament, allen Schnickschnack weg und reduzierten sich auf klare Botschaften. Das hat weltweit stilprägend auf Werbung, Grafik, Kunst gewirkt.
IMG_8793 IMG_8810Klar, die Berliner erfinden nicht die Plakatgestaltung neu. Beuys hat Plakate gemacht, Warhol sowieso. Aber in dieser geballten Qualität hat es das bisher nicht gegeben Besonders ist auch, dass hier so viel Mut vorhanden ist, in einem Medium zu arbeiten, mit dem man – zumindest im Moment noch – wenig kommerziellen Erfolg haben kann.

Viele Plakate haben keine Auftraggeber, die Gestalter bauen ihre eigenen Druckwerkstätten auf. Hauptberuflich macht das keiner. Für das Plakat als eigenständige Kunstform gibt es noch gar keine Definition, keine Vertriebsstrukturen.
Gerade machen die ersten spezialisierten Galerien auf. Obwohl dieses Medium schon so lange da ist, ist es erst jetzt im Aufbruch.



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